Anfänge des Kammmacher-Gewerbes

Werkzeug des ersten Mümliswiler Kammmachers

Die lange Tradition der Kammherstellung in Mümliswil nimmt ihren Anfang in der Gestalt von Urs Joseph Walter. Als Sohn eines Landwirts, 1759 „von armen Eltern geboren“, lernte er schon früh Hunger und Entbehrung kennen. Mit Betteln ,“Strumpflismen“ und Kühe hüten trug er zum Lebensunterhalt seiner Familie bei. Seine mit Tinte und Gänsekiel niedergeschriebene „Läbens-Gschicht“ widerspiegelt auf eindrückliche Weise die damaligen Verhältnisse und Lebensumstände der Bauernfamilie, die in grosser Armut lebte:  

„Bis in das 6-te Jahr ohne Arbeit, im Sommer barfuss, alle Jahr 1 Paar Zwilchhosen, die erste Hälfte ganz, die andere Hälfte des Jahres geplätzet. Darnach an die Lismerarbeit, bis ins 9. Jahr, noch dazu vom 9. bis zum 16. Jahr durch den Sommer die Küh gehütet, und zwar alle Zeit barfuss. Nachdem kommt eine grosse Theuerung, so dass ich von Donnerstag Morgens bis Freitag 11 Uhr Vormittags nichts bekomme zu Essen und zwei Manns-Strümpf in der Zeit gemacht habe. (...) So der 3-te Strumpf mehr als halb gemacht, nehme ich ihn mit und gehe auf die Sennhöfe zu betteln, da gab es Essen genug. Laufe von 10 bis 9 Uhr Nachts, mache auf der Reise meinen Strumpf fertig und bekomme ihn ganz voll Käs, so dass er 22 Pfund gewogen. Der Vater und die Mutter lobten Gott, dass ich Käs gebracht. Da war ich 16 Jahre alt, da arbeitete bei Bauern, wer mich gebraucht, nur dass ich zu essen habe, so bis ich 20 Jahre alt war. Da will ich lernen lesen und schreiben, da war keine Hülfe, der Vater und die Mutter wollten nichts davon wissen, weil ich weniger gelismet.“

 

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