Familienbetrieb mit ausländischen Gesellen
Trotz den Einwänden seiner Eltern brachte sich Urs Joseph Walter selber das Lesen und Schreiben bei. Nach seiner schweren täglichen Arbeit sass er bis nachts um „2 oder 3 Uhr“ im Schein einer Öllampe am Tisch um zu lernen. Schon nach einem halben Jahr erledigte er Schreibarbeiten für einen Strumpffabrikanten aus Bern, der sich dafür einsetzte, den Buben ein Handwerk lernen zu lassen. „Ein Strählmacher“ wolle er werden, meinte der junge Walther, „weil die Läuse allzeit wohl geraten“. Läuse, glaubte er, werde es immer geben und somit auch immer Arbeit für einen Kammmacher. Nach der Lehre in Bützberg ging er auf die Stör, zog mit seinem Werktisch und der Kammsäge von Haus zu Haus, reparierte „alte Strähle“ und sägte neue. Durch die Heirat mit einer Mümliswilerin kehrte er wieder in sein Heimatdorf zurück und begann für seine Familie, die inzwischen auf elf Personen angewachsen war, ein Wohnhaus mit Werkstatt zu bauen. 1792 konnte er mit seiner Familie einziehen und seine Kammmacherwerkstatt in Betrieb nehmen. Das Rohmaterial, Kuh- und Ochsenhörner, bezog er bei Metzgern, Viehhändlern und Bauern der Umgebung. Die angefertigten Kämme wurden an Krämer und Hausierer geliefert und auf den Märkten im Gebiet zwischen Basel, Aarau, Biel und Bern feilgeboten. Anfangs stellte Urs Joseph Walter gewöhnliche Frisierkämme, sogenannte „Richter“ her, die dazu verwendet wurden, das Haar in Ordnung zu bringen. Später ergänzte er sein Sortiment mit modischen Steckkämmen, die als Schmuck die aufgesteckten Damenfrisuren zierten. Zwei heranwachsende Söhne halfen mit, den Familienbetrieb gedeihen zu lassen. Urs Viktor Walter, der älteste, übernahm 1819 die väterliche Werkstatt, sein Bruder Rudolf Walter eröffnete einen eigenen Betrieb. Zur Zeit der Biedermeiermode (um 1815 bis 1848) waren Zierkämme sehr gefragt. Das Kammmachergewerbe florierte, Gesellen aus Deutschland und Frankreich zogen nach Mümliswil, die ursprüngliche Werkstatt wurde langsam zu klein. In den Jahren 1830-1840 beschäftigte Urs Viktor Walter 12 Arbeiter, in den nächsten zwei Jahrzehnten stieg die Zahl der Angestellten auf 35.
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