Vom Handwerk zur Industrie
Unter dem Nachfolger August Hadolin Walter, einem Sohn von Urs Viktor, entstand aus der einfachen Kammmacherwerkstatt ein eigentlicher Fabrikationsbetrieb. Etwas ausserhalb des Dorfes am Ufer des Limmernbachs baute er 1862/63 ein Fabrikgebäude, vermietete die oberen Stockwerke an Basler Seidenbandfabrikanten und richtete im Erdgeschoss seinen Kammmacherbetrieb ein. Bereits vier Jahre später erwarb er die Liegenschaft der früheren Papiermühle am Eingang des Dorfes und errichtete auf dem Areal die erste moderne Kammfabrik in der Schweiz. Im Herbst 1870 wurden die neuen Gebäude bezogen. Damit vollzog sich der Übergang vom reinen Handwerk zur mechanischen Herstellung der Kämme. Neben dem einheimischen Rohmaterial wurden nun auch Büffelhörner aus Brasilien und Siam, sowie das begehrte Schildpatt, die Platten aus den Rückenpanzern von Schildkröten, verarbeitet. Man begann mit der Herstellung kleiner Bedarfsartikel aus Hornabfällen wie Pfeifenmundstücke, Messergriffe, Brieföffner und Schnupftabakdosen. Die Arbeiterschaft war mittlerweile auf 120 Personen angewachsen. Nach dem Tod des Fabrikgründers 1878 übernahm der Sohn August den Betrieb seines Vaters. Eine schwere Geschäftskrise brachte die Kammfabrik in grosse finanzielle Schwierigkeiten, aus denen sich der junge Direktor nicht mehr zu retten wusste. Im Alter von nur 27 Jahren nahm sich August Walter das Leben. Vorübergehend leitete die Gemeinde Mümliswil die Geschicke der Fabrik, so dass die Arbeitsplätze erhalten werden konnten.
Weiter mit: Otto Walter-Obrecht
