Trennung der Firma in Kammfabrik KROKO und OWO-Presswerk
Verstärkt durch die Krise der Dreissiger Jahre war die Existenz der Mümliswiler Kammfabrik ernsthaft gefährdet. Unter dem wirtschaftlichen Druck begann die Firma ein weiteres Standbein zu entwickeln. Die Herstellung von Kunststoffgeschirr und verschiedener Pressstücke aus Bakelit für die Elektrobranche wurde aufgenommen. 1932 teilte sich das Gesamtunternehmen in die zwei Betriebe „OWO“, und „Kroko“. Das OWO-Presswerk, abgeleitet vom Namen des Firmengründers Otto Walter-Obrecht, konnte bis ins Jahr 2001 weitergeführt werden. Die „Kroko“ - der Name geht auf die seit der Jahrhundertwende gebrauchte Markenbezeichnung zurück - beschäftigte sich ausschliesslich mit der Fabrikation von Frisierkämmen und Haarschmuckartikeln. Die Zeit der grossen Steckkämme war vorbei, das Haar zierten höchstens noch Spangen, Reifen und kleinere Seitenkämme. Otto Walter-Obrecht hatte sich nach der Explosionskatastrophe immer mehr vom Betrieb zurückgezogen und überliess die Geschäftsführung seinen Söhnen Adolf und Max.
Ab 1951 waren die beiden Firmen nicht mehr im Besitz der Familie Walter, welche die Geschicke der Kammproduktion während mehr als 160 Jahren in ihren Händen gehalten hatte. Die Kammfabrik wurde vom Brugger Industriellen Eduard Zinniker übernommen. Mehr und mehr wurde die „Kroko“ durch billige Massenware konkurrenziert. Die Plastikkämme, aus körnigem Kunststoffmaterial für etwa ein Zehntel des Preises in nur einem Arbeitsgang hergestellt, schienen die qualitativ hochstehenden, handbearbeiteten Kämme zu verdrängen. Trotz wirtschaftlichen Berg- und Talfahrten konnte sich die Firma noch bis 1990 halten, ging dann aber endgültig in Konkurs. In der Schweiz existiert mittlerweile nur noch eine Kammfabrik; sie produziert unter dem Namen „Boltina“ in Riva San Vitale im Tessin.
Druckversion "Geschichte der Kammfabrikation im Guldental" (Pdf, 149 KB)
